Zum Blogbeitrag “50 Jahre und 15 Minuten” vom 15. November 2020 aus “fehrdenktquer” der Zürcher Regierungsrätin Jacqueline Fehr

In diesem Blogbeitrag erinnert RR Fehr daran, dass die Frauen in der Schweiz erst vor 50 Jahren das Stimmrecht erlangten, sich aber bezüglich Gleichstellung noch vieles im Argen befindet. Ihre diversen Hinweise auf die auch heute noch vorkommende schlechte Stellung, Behandlung und Entlöhnung der Frauen sind leider wahr und deshalb wichtig angesprochen zu werden. Am Schluss ihres Blogs hält sie fest:

“Erreicht ist die Gleichstellung aber erst, wenn Frauen in ihrem Alltag, wo immer sie sind und was immer sie machen, keinen Gedanken an irgendeine Belästigung und Verletzung ihrer Integrität verlieren müssen.”

Dem ist voll und ganz zuzustimmen,  jedoch auch etwas Wichtiges hinzuzufügen: Die Frage nach den Verursachern dieses Übels und nach deren Überwindung. Hierzu schrieb ich am 18. November um 14:33 Uhr einen Kommentar. Ich hoffe, er wird veröffentlicht. Falls nicht, habe ich hier den Blogbeitrag inklusive meinem dazumal noch nicht freigegebenen Kommentar gesichert und als Dokument erfügbar gemacht.

 

(Regierungsrätin Jacqueline Fehr, Kanton Zürich 2020)

Es geht in meinem Kommentar um den Hinweis, dass das Frauenbild und die Stellung der Frau, wie so vieles, von Kirche und Religion geprägt worden sind und weiter geprägt werden (vgl. römisch-katholische Kirche: keine Frauenordination). RR Fehr ist als Vorsteherin der Direktion der Justiz und des Inneren des Kantons Zürich zugleich für das Staat-Kirche-Verhältnis verantwortlich und damit in bester Position, für die Sache der Frau einzustehen. Aus der Kirche ausgetreten ist sie ja schon. Es wäre wünschenswert, wenn RR J. Fehr in der Öffentlichkeit auch ebenso klar darauf hinweisen würde, woher das Problem stammt und es an der Wurzel packt. Die Bevölkerung wird immer konfessionsfreier, im Kanton Zürich war ihr Anteil Ende 2019 bereits 48%. Eine weniger kirchenfixierte Politik und Rhetorik würde von jener also durchaus gut ankommen. Und da es sich bei den restlichen 58% der kirchengebundenen Bevölkerung nach einer Studie des Lausanner Religionssoziologen Jörg Stolz um grossmehrheitlich “Kirchendistanzierte” handelt, müsste man auch keine Einbusse an Wählerstimmen befürchten. Die Eigeninteressen wären also gewahrt.

 

ÖFFENTLICHKEITSAUFTRAG Institut für säkulare Ethik IFSE

Dieser Beitrag ist Bestandteil des Öffentlichkeitsauftrages des Instituts für säkulare Ethik IFSE: Das Sichtbarmachen des soziokulturellen Wandels durch die Säkularisierung und seiner Berücksichtigung auf Verfassungs- und Gesetzesstufe.

Wandel
Gleichgültig in welchem Bereich, Wandel bedeutet Zeit der Veränderung und der Übergange. Wer die Unsicherheit eines Wandels beheben will, fragt nach dem Woher und dem Wohin. Die Antwort und Erkenntnis des in diesem Bereich forschenden Instituts lautet

  1. Übergang von Religiosität zu Säkularität als gesamtgesellschaftlich bedeutendstem Bezugs- und Orientierungspunkt,
  2. Übergang von religiöser, religionsgemeinschaftlich-engführender Moral zu säkularer, gesellschafts-offener Ethik und
  3. Übergang von christlich-religiöser Leitkultur zu säkular-liberaler Differenzkultur.

Ziel dieses Sichtbarmachens
Der Staat soll die durch die Säkularisierung entstandenen Chancen und Potentiale dieses Wandels in Form von Gemeinsinn und Gemeinwohl auf gesamtgesellschaftlicher Ebene erkennen, anerkennen und fördern durch ihre Verankerung auf Verfassungs- und Gesetzesstufe, zum Wohl der gesamten Gesellschaft.

Fällige Stufenentwicklung in der Sozialpolitik
Die bisherige staatliche Sozialpolitik steht auf einer veralteten Entwicklungsstufe, denn sie fördert lediglich Religionsgemeinschaften. Das ist korrekturbedürftig, weil es der gesellschaftlichen Entwicklung widerspricht. Aufgrund der Entkirchlichung der Gesellschaft gehört nur noch ein Bruchteil der Bevölkerung einer Religionsgemeinschaft an. Kirche und Gesellschaft gehen zunehmend getrennte Wege. So ist Konfessionsfreiheit ein wesentliches Merkmal der säkularen Gesellschaft geworden und hat damit Normativkraft erlangt. Im Zuge dieses grundlegenden soziokulturellen Wandels laufen das kirchlich-religiöse Gemeinwohlverständnis und dasjenige der säkularen, religiös-weltanschaulich pluralen und zunehmend konfessionsfreien Gesellschaft in grundverschiedene Richtungen.

Mit der vom Institut für säkulare Ethik IFSE geforderten ausdrücklichen staatlichen Anerkennung und Förderung der Säkularität als Bezugs- und Orientierungspunkt für das Gemeinwohlverständnis der säkularen Gesellschaft in Form ihrer Verankerung auf Verfassungs- und Gesetzesstufe wird dieser Missstand behoben. 

Für das Institut
Lars Habermann, lic.iur. HSG, Gründer und Leiter IFSE

 

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